Benimmregeln für Russland Teil 4: Telefonieren auf Russisch

By ostexperte

Telefonieren auf Russisch

von Dr. Daria Boll-Palievskaya

„Aljo?“ (Hallo?), „Da!“ (Ja!) oder „Sluschaju! (Ich höre.) So meldet man sich in Russland am Telefon. Das klingt für deutsche Ohren ungewöhnlich, und oft auch unhöflich und barsch. Können sich die Russen nicht wie zivilisierte Menschen am Telefon mit ihrem Namen melden? Hier prallen zwei kulturelle Selbstverständlichkeiten aufeinander.

Aus russischer Sicht muss sich Derjenige als erster vorstellen, der anruft und nicht umgekehrt. Der Russe denkt: „Ich bin doch bei mir zuhause, und der Anrufer „klopft“ bei mir an. Der soll gefälligst sagen, wie er heißt.“ Deswegen meldet man sich in Russland am Telefon nicht mit Namen. Privat nie und dienstlich fast nie.

Der deutsche Brauch sich mit dem Namen am Telefon zu melden erscheint hingegen den Russen eigenartig und unlogisch. Für das russisches Gehör wirkt das genau so unangenehm, wie das russische „Aljo!“ für die Deutschen.

Deswegen kostet es russische Mitarbeiter sehr viel Überwindung, sich mit ihren Namen zu melden. Dass die Vermittlung den Namen des Unternehmens sagen muss, das sehen die Russen noch ein. Aber dass jeder Mitarbeiter in jeder Abteilung nach Abheben des Hörers immer wieder seinen Namen sagen soll, ist schwer zu vermitteln. Die Russen denken dabei: „Warum immer wieder den Namen sagen. Der Anrufer ist doch schon zu mir verbunden worden und weiß bestimmt, wen er sprechen möchte.

Die deutsche Liebe zur absoluten Genauigkeit trifft auf das russische „Irgendwie“.  Also wundern Sie sich nicht, wenn Sie in Russland jemanden anrufen und auf der anderen Seite der Leitung nur knappes „Aljo?“ als Meldung bekommen. Das bedeutet nicht, dass ihr Gesprächspartner einen schlechten Ton pflegt.

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Über die Autorin:

Frau Dr. Daria Boll-Palievskskaya studierte in Moskau und Köln neben Philologie und Germanistik auch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der deutschen und der russischen Kultur. Heute unterstützt sie als freiberufliche Trainerin und Beraterin für interkulturelle Kommunikation deutsche Unternehmen beim Russlandgeschäft. Gleichzeitig veröffentlicht sie Fachbücher zu diesem Thema. Ihr aktuelles Buch heißt „Der Russland Ratgeber. Leben, Arbeiten, Kultur & Business“

Kontakt: www.fit-for-russia.de/html/fit_for_russia_kontakt.html

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Eine Antwort zu „Benimmregeln für Russland Teil 4: Telefonieren auf Russisch“

  1. Matthias Kunkel sagt:

    Seit 26 Jahren habe ich privat und beruflich mit Russland zu tun. Ich spreche fließend Russisch, bin mit einer Russin verheiratet. Beruflich führe ich etwa 20 Telefonate täglich mit Russen, privat alle paar Tage. Ich stimme dem Artikel fast vollständig zu. Fast heißt folgendes:
    1. Wenn ich von einem Geschäftspartner angerufen werden, dann meldet sich dieser fast immer mit Namen.
    2. Wenn ich privat angerufen werde und der Anrufer stelt sich nicht vor, sondern fragt z. B. nur: „А Таня дома?“, dann frage ich, wer anruft, selbst wenn ich die Stimme erkenne. Wenn der Anrufer auch nach dem zweiten Nachfragen seinen Namen nicht nennt, lege ich auf. Auf diese Weise habe ich zumindest alle unsere Bekannten dazu gebracht, sich vorzustellen, wenn sie anrufen.

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